Veröffentlicht am
1.4.2024

Veröffentlicht am 1.4.2024
Zunächst sei gesagt: Für alle, die an einer Ausbildung zum/zur Mediziner:in interessiert sind, ist dieser Studiengang nicht geeignet. Bei MedBio geht es eher um Laborarbeiten mit Forschungsinteresse und weniger darum, mit Patienten zusammenzuarbeiten.
Ansonsten hoffe ich, dass du durch meinen Gastbeitrag zum Studiengang Medizinische Biologie eine Idee bekommen wirst, was dich im Studium an der Paris-Lodron-Universität Salzburg (PLUS) erwarten wird. Ich werde dir berichten, was mir nicht so gut gefallen hat, was umso mehr, und dir eine Liste meiner gesammelten Tipps weiter unten geben, die dir den Einstieg erleichtern soll.
Der erste Satz eines Professors am ersten Tag, als wir eine der wenigen stattfindenden Einführungsveranstaltungen hatten, lautete: „Da Sie den ersten Jahrgang des neuen Studiengangs darstellen, sind Sie ein wenig unsere Versuchskaninchen.“ – Und so habe ich mich auch das gesamte Studium über gefühlt. Kommiliton:innen mit späteren Startsemestern haben das meines Wissens nicht mehr so empfunden.
Mit dem letzten Satz teilte er uns dann übrigens noch mit, dass bereits am folgenden Tag unsere erste Prüfung anstünde. (Diese erwies sich allerdings als ziemlich einfach – also lass dich nicht entmutigen, falls sie immer noch besteht.)
Das trifft eigentlich schon zwei Kernpunkte des Studiums:
Die Organisation bleibt auch nach 3,5 Jahren bestehenden Studiengangs verbesserungswürdig und Prüfungen hat man wirklich das ganze Semester über.
Ich persönlich fand das vorteilhaft, weil man so nicht alles auf einmal hatte - nur Ferien gab es dadurch auch so gut wie keine. Da aber für Vorlesungen immer mehrere Prüfungstermine angeboten werden, kann man es trotzdem so organisieren, dass man auch freie Zeit hat.
Was Ersti-Veranstaltungen betrifft, kann ich leider nicht viel erwähnen, weil Corona-bedingt die ersten zwei Semester alles ausfiel und ich daher nie an solchen Events teilgenommen habe. Es gibt aber auf jeden Fall die eine oder andere Veranstaltung, über die ich mich damals auch gefreut hätte.
Grundsätzlich kann ich, was Veranstaltungen betrifft, regelmäßige Abstecher zum schwarzen Brett empfehlen oder die E-Mails der ÖH, die regelmäßig versendet werden.
Um ehrlich zu sein, hat mein Studium erst so langsam gegen Ende des dritten Semesters begonnen – vielleicht sogar eher zu Beginn des vierten Semesters. Ich hatte zwar im dritten Semester zumindest eine Übung, die dann endlich im Labor stattfand, aber der Rest war leider weiterhin online.
Ab dem vierten Semester hat mir das Studium dann auch wirklich Spaß gebracht, weil praktisches Lernen und der Kontakt zu Kommiliton:innen doch einiges zur Freude am Lernen beitragen.
Eine weitere Hürde bestand dann im fünften Semester darin, ein Thema für die Bachelorarbeit zu finden. Das Problem an der Uni ist leider, dass es viel zu viele Student:innen auf die Anzahl an Professor:innen im Fachbereich Biowissenschaften gibt - und die müssen alle irgendwie betreut werden.
Deswegen empfehle ich, dass man sich wirklich rechtzeitig darum kümmert, auch wenn Listen mit Themenvorschlägen ausgeschrieben werden. Auch wenn ich das Glück hatte, auf meine erste Anfrage direkt eine Bestätigung zu erhalten und daher direkt im sechsten Semester damit anfangen konnte zu schreiben, kenne ich doch einige Kommiliton:innen, die bei wirklich vielen Professoren anfragen mussten.
Da sich die Uni dieses Problems bewusst ist, denke ich, dass sich hier in den nächsten Jahren etwas tun wird.
Die Professor:innen und Post-Docs geben sich jedenfalls sehr Mühe, die Betreuung von so vielen Student:innen zu ermöglichen. Allerdings sollte man nicht erwarten, dass es eine Bachelorarbeit mit Laborarbeit wird, weil dafür wirklich die Kapazitäten fehlen.
Ich selbst habe auch eine Literaturarbeit verfasst, von der ich trotzdem sagen kann, sehr viel mitgenommen zu haben. Auch weil ich wirklich gut betreut wurde, sehr wertvolles Feedback bekommen habe und währenddessen immer das Gefühl hatte, dass die Betreuer:innen auch wirklich wollen, dass ihre Student:innen eine gute Bachelorarbeit abgeben.
Ich hatte z.B. die Möglichkeit, eine Erstversion abzugeben, die mir dann mit Verbesserungsvorschlägen zurückgegeben wurde. Insgesamt hatte ich dafür etwa 4 Monate Zeit, wobei mein Betreuer da sehr flexibel war und ich auch mehr Zeit bekommen hätte. Also wenn man dann erstmal ein Thema hat, kann man sich sicher sein, gut unterstützt zu werden, wenn man Fragen hat.
Welche Lehrveranstaltungen (LV) der Studiengang enthält, kann man ganz gut dem Curriculum der PLUS-Homepage entnehmen. Der Studiengang ist wirklich vielfältig, sodass man einen Überblick über eine Vielzahl von Themengebieten der Biowissenschaften bekommt, was meiner Meinung nach sehr hilfreich ist, um später zu entscheiden, in welche Richtung man im Master gehen möchte.
Zum Beispiel bekommt man Einblicke in Themenbereiche wie Bioinformatik, Statistik, Genetik, Epigenetik, Proteine, Immunologie, Neurowissenschaften, Tumorbiologie, Mikrobiologie und Histologie. Durch Wahlfächer kann man Themenfelder, die einen interessieren, noch weiter vertiefen. Ein paar Empfehlungen sind auch in der Liste unten angeführt.
Unbedingt beachten solltest du die Lehrveranstaltungen, die zur Studieneingangs- und Orientierungsphase (STEOP) gehören. Denn bestimmte Module können erst dann absolviert werden, wenn LVs der STEOP positiv abgeschlossen sind.
Das macht Sinn, weil die Module teilweise aufeinander aufbauen, aber man sollte sich dessen bewusst sein, wenn man nicht nach dem Curriculum studiert. Denn grundsätzlich bietet das Curriculum nur eine Empfehlung, wann welche LV absolviert werden sollte. Es kann allerdings auch vorkommen, dass für manche Übungen auch andere LVs vorausgesetzt werden, die nicht der STEOP zugehörig sind. Man sollte also sein Curriculum kennen. Da steht eigentlich alles drin.
Hier habe ich einfach mal eine bunte Liste an Tipps und Dingen zusammengestellt, die ich gerne schon zu Beginn meines Studiums gewusst hätte und hoffentlich auch für dich hilfreich ist!
Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit den Studieninhalten und den vielen Laborpraktika, von denen ich trotzdem gerne noch mehr gehabt hätte.
Schade finde ich, dass die Organisation für diesen Fachbereich erschreckend ist. Ständig gab es Überschneidungen von prüfungsimmanenten LVs, auch wenn sich die Dozent:innen sehr Mühe gegeben haben, im Notfall etwas zu verschieben, wenn es einen Großteil der Studierenden betraf.
Außerdem ist mir persönlich die Bekanntgabe von Terminen, an denen die LVs stattfinden, zu knapp gewesen – teilweise auch erst eine Woche vorher, was es Student:innen eigentlich unmöglich macht, Arbeit und Studium zu vereinbaren.
Thematisch kann ich allerdings nichts bemängeln. Die Dozent:innen sind größtenteils sehr daran interessiert, dass die Studenten in ihren Kursen etwas lernen. An den Prüfungen hingegen stört mich, dass es sich überwiegend um Multiple Choice Fragen handelt, den nächsten kümmert das aber vielleicht weniger.
Was die Ausstattung betrifft, kommt man auf jeden Fall mit einigen Gerätschaften in Kontakt und es gibt über die ganze Stadt verteilt Bibliotheken von verschiedenen Fachbereichen, die man gut nutzen kann.
Was mir unter anderem manchmal gefehlt hat, ist ein Feedback von den Lehrenden z.B. zu Protokollen. Ich denke, für die über hundert Student:innen pro Jahrgang fehlen da aber auch einfach die Kapazitäten. Nachfragen bei dem ein oder anderen Prof ist aber sonst immer möglich, wenn du Feedback haben möchtest!