Persönlich studieren: Was ein persönliches Studium wirklich ausmacht
Markus Stefka
Markus Stefka

Veröffentlicht am 14.9.2026

Persönlich studieren: Was ein persönliches Studium wirklich ausmacht

An einer kleinen Hochschule studieren heißt nicht automatisch, persönlich zu studieren.

Natürlich macht es einen Unterschied, ob sich 300 Menschen einen Hörsaal teilen oder 20 Studierende gemeinsam in einem Seminar sitzen. Aber persönliche Studienbedingungen entstehen nicht allein dadurch, dass eine Hochschule klein ist. Entscheidend ist vielmehr, was aus dieser Überschaubarkeit im Studienalltag entsteht.

Kennen Lehrende ihre Studierenden? Sind sie ansprechbar, wenn Fragen auftauchen? Bleibt jemand für ein Problem zuständig? Finden Studierende leicht Anschluss? Entsteht über mehrere Semester ein Umfeld, in dem man sich gegenseitig wiedererkennt?

Genau solche Erfahrungen machen ein Studium persönlich.

Eine umfangreiche Auswertung von studiumfinden-Bewertungen zeigt dasselbe Muster: Persönliche Nähe taucht zwar nicht als eines der häufigsten Themen auf, wird dort, wo sie beschrieben wird, aber sehr konsistent positiv erlebt. Die Analyse fasst das deshalb nicht einfach mit „kleine Gruppen“ zusammen, sondern mit drei zentralen Merkmalen: Wiedererkennbarkeit, Kontinuität und Antwortfähigkeit.

Was bedeutet persönlich studieren?

Persönliches Studieren beginnt dort, wo Studierende nicht das Gefühl haben, lediglich eine Matrikelnummer zu sein.

Das kann ganz banal damit anfangen, dass Lehrende Gesichter und Namen wiedererkennen. Noch wichtiger ist aber, was danach passiert: Kann ich nach einer Veranstaltung tatsächlich eine Frage stellen? Bekomme ich Feedback? Weiß ich, wen ich bei einem Problem ansprechen kann? Und muss ich meine Situation nicht bei jeder neuen Kontaktperson wieder von vorne erklären?

In den analysierten Bewertungen über besonders persönliche Studienumgebungen ging es deshalb nicht nur um Gruppengröße. Studierende beschrieben positiv, wenn Lehrende sie kannten, verlässlich antworteten und über längere Zeit ansprechbar blieben.

Ein persönliches Studium hat damit mindestens ebenso viel mit Verhalten und Organisation wie mit Größe zu tun.

Persönliche Betreuung bedeutet mehr als Erreichbarkeit

Eine E-Mail-Adresse auf der Hochschulwebsite macht noch keine persönliche Betreuung.

Persönlich wird Betreuung dann, wenn Studierende tatsächlich das Gefühl bekommen, mit ihrem Anliegen bei jemandem angekommen zu sein. Eine schnelle Antwort ist hilfreich. Noch besser ist eine Person, die den konkreten Fall kennt und bis zur Lösung ansprechbar bleibt.

Auch Feedback gehört dazu. In derstudiumfinden-Auswertung wurde Betreuung und Feedback durch Lehrende überwiegend positiv beschrieben. Gleichzeitig zeigt aber übrigens die Analyse auch, dass gute persönliche Betreuung schlechte Organisation nicht automatisch ausgleichen kann.

Das ist ein wichtiger Unterschied: Eine Hochschule kann sehr sympathische und engagierte Lehrende haben und trotzdem organisatorisch anstrengend sein.

Persönlich studieren heißt auch: leichter Anschluss finden

Persönliche Studienbedingungen entstehen nicht nur zwischen Studierenden und Professor:innen.

Auch das Verhältnis zu anderen Studierenden spielt eine Rolle. Wenn sich Menschen regelmäßig begegnen, Lerngruppen entstehen, Fachschaften sichtbar sind und Erstsemester schnell Kontakte finden, entsteht eher das Gefühl, tatsächlich Teil einer Hochschule zu sein.

In der Gesamtanalyse wird soziale Einbindung deshalb nicht als nettes Campus-Extra behandelt. Wiederkehrende Lerngruppen, erkennbare Ansprechpartner:innen und Peer-Unterstützung können selbst Teil einer persönlichen Studienumgebung sein.

Ein überschaubarer Campus kann das erleichtern. Automatisch erzeugt er diese Gemeinschaft aber nicht.

Warum eine kleine Hochschule nicht automatisch persönlicher ist

Hier liegt der entscheidende Unterschied.

Eine kleine Hochschule schafft zunächst nur günstigere Voraussetzungen für Nähe. Ob daraus tatsächlich ein persönliches Studium wird, hängt davon ab, wie die Hochschule organisiert ist.

Die Zahl der Studierenden ist deshalb ein Indikator – kein Beweis.

Woran erkenne ich vor dem Studium, ob eine Hochschule persönlich ist?

Studieninteressierte sollten deshalb genauer hinschauen als auf Aussagen wie „kleine Gruppen“ oder „familiäre Atmosphäre“.

Interessanter ist beispielsweise, ob konkrete Mentoring-Angebote existieren, wie Studienberatung organisiert ist, ob Studierende feste Ansprechpartner:innen haben und welche Erfahrungen aktuelle Studierende mit Lehrenden machen.

Auch Bewertungen können hilfreich sein – allerdings weniger wegen einer einzelnen Sternezahl als wegen konkreter Beschreibungen. Aussagen wie „die Professor:innen kennen einen“, „ich bekomme schnell Feedback“ oder „bei Problemen weiß ich, an wen ich mich wenden kann“ sagen über persönliche Studienbedingungen deutlich mehr aus als die bloße Zahl der eingeschriebenen Studierenden.

Welche Hochschulen in Deutschland bieten ein besonders persönliches Studium?

Eine allgemeingültige Rangliste gibt es dafür nicht. Persönliche Studienbedingungen können sich außerdem zwischen Fakultäten und Studiengängen unterscheiden.

Es gibt aber Hochschulen, bei denen mehrere Hinweise gleichzeitig in diese Richtung zeigen. studiumfinden überprüft regelmäßig Claims von Hochschulen und stellt diese externen Indikatioren gegenüber.

Universität Erfurt: überschaubar – und offenbar nicht nur auf dem Papier

Die Universität Erfurt positioniert sich selbst sehr deutlich über ihre überschaubaren Strukturen. Aktuell studieren dort rund 5.600 Menschen, betreut von rund 100 Professor:innen und weiteren Lehrenden. Ihre Studienkommunikation formuliert den Anspruch ziemlich unmissverständlich: Studierende sollen keine anonymen Gesichter in der Masse sein, sondern ihre Lehrenden kennen und in überschaubaren Seminaren studieren.

„Bei uns bist du nicht nur eine Matrikelnummer – kein Gesicht in der Masse. Hier kennst du deine Dozierenden und sie dich.

Dazu kommen konkrete Strukturen wie Mentoring, Einführungstage und persönliche Studienberatung.

Interessant ist aber vor allem, dass sich ähnliche Beschreibungen auch in den uns vorliegenden studiumfinden-Bewertungen wiederfinden.

Eine Bewertung spricht schlicht von einer „tollen familiären Atmosphäre“. Eine andere fasst ihre Erfahrung mit „Kleine Uni, aber deswegen empfehlenswert!“ zusammen.

Neuere Texte werden noch konkreter. Eine Person beschreibt freundliche Lehrende und einen übersichtlichen Campus, auf dem sich leicht andere Studierende kennenlernen lassen. In der Kommunikationswissenschaft berichtet eine weitere Bewertung ausdrücklich von einem guten Verhältnis zu den Dozent:innen.

Das sind keine ausreichenden Daten für die Aussage, dass alle Studierenden Erfurt so erleben. Aber mehrere Bewertungen aus unterschiedlichen Jahren und Studienrichtungen passen zu dem strukturellen Bild einer überschaubaren Universität mit kurzen Wegen und relativ direktem Kontakt.

Hochschule Flensburg: kurze Wege und erreichbare Lehrende

Auch die Hochschule Flensburg ist interessant.

Die Hochschule zählt rund 3.000 Studierende und beschreibt ihre Lehrenden ausdrücklich als auf dem „Campus der kurzen Wege“ leicht erreichbar – auch außerhalb der eigentlichen Lehrveranstaltungen. Der Campus selbst ist kompakt angelegt; Hochschulgebäude, Bibliothek, Mensa, Sportzentrum und weitere Einrichtungen liegen eng beieinander.

Auch die vorhandenen studiumfinden-Stimmen passen qualitativ dazu.

Eine Bewertung beschreibt ein „tolles Umfeld“ und Lehrende, die „auf dem Boden geblieben“ seien.

Noch deutlicher wird eine neuere Bewertung:„Es wird auf jeden eingegangen.“

Dieselbe Bewertung kennzeichnet das Studium unter anderem als „familiär“, nennt hilfsbereite Kommiliton:innen und leichten Anschluss im ersten Semester. Eine weitere aktuelle Bewertung verwendet ebenfalls die Merkmale „familiär“ und „hilfsbereite Kommilitonen“.

Universität Passau: ein weiteres Beispiel

Auch die Universität Passau positioniert sich ausdrücklich als Gegenmodell zur anonymen „Massen-Uni“. Die Universität verweist auf Unterricht in kleinen Gruppen, persönliche Betreuung und Dozierende, die Zeit für Studierende haben.

Genau deshalb sollte man persönliche Hochschulen nicht über einen einfachen Vergleich der Größe definieren. Entscheidend ist die Kombination aus Struktur und tatsächlicher Erfahrung.

Kleine Gruppen sind also nur der Anfang

Wer persönlich studieren möchte, sollte nicht ausschließlich nach der kleinsten Hochschule suchen.

Die bessere Frage lautet:

Schafft die Hochschule Bedingungen, unter denen Menschen einander tatsächlich kennenlernen und füreinander erreichbar bleiben?

Kleine Gruppen können dafür hilfreich sein. Ein kompakter Campus kann helfen. Mentoring kann helfen.

Persönlich wird das Studium aber erst, wenn daraus Wiedererkennbarkeit, verlässliche Ansprechpartner:innen, Feedback, soziale Einbindung und kontinuierlicher Kontakt entstehen.

Dann ist „persönlich“ keine Werbeformel mehr, sondern etwas, das Studierende im Alltag tatsächlich erleben können. Und was hilft dabei das einzuschätzen? studiumfinden und ganz besonders unsere verifizierten Bewertungen - vielleicht von deinen baldigen Kommilitonen?

P.S: die Auswahl der Hochschulen ist dezidiert nicht abschließend - das sollte aber klar sein!

Bildquelle: Universität Erfurt

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